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A Girl and Her Room

Rania Matar


Christilla, Rabieh, Lebanon 2010

Poster an der Wand, Chaos auf dem Schminktisch oder doch pedantische Ordnung: Die Schlafzimmer junger Frauen sind so unterschiedlich wie die Frauen selbst. Die Fotografin Rania Matar durfte in das Heiligtum vieler Teenager eindringen und die Mädchen dort porträtieren, wo sie sich am wohlsten und sichersten fühlen - in ihren eigenen vier Wänden. Die Amerikanerin mit den libanesischen Wurzeln beschränkte sich dabei für die Serie A Girl and Her Room nicht nur auf ihre neue Heimat, sondern lichtete auch junge Frauen im Libanon ab.
Entstanden ist dabei eine sehenswerte Fotoserie, die zwei unterschiedlichste Welten vereint und dabei zeigt, dass sie im privaten Bereich doch nicht so unterschiedlich sind.


Stephanie, Beirut, Lebanon 2010

Interview von Mathias Morscher mit Rania Matar im KURIER Wien

Was war die Inspiration für die "A Girl And Her Room"-Serie?
Rania Matar: Das war meine ältere Tochter, als sie 15 war. Ich sah, wie sie sich vor meinen Augen verwandelte - vom Kind zur Frau. Diese Transformation faszinierte mich. Eine erwachsene Persönlichkeit und Selbstbewusstsein ersetzte nun die unbeschwerte Welt, die sie kannte. Ich fotografierte sie und ihre Freunde und erkannte schnell, wie sehr sie sich gegenseitig beeinflussen. Dann kam die Idee, jedes Mädchen alleine zu fotografieren. Ursprünglich ließ ich sie entscheiden, wo sie fotografiert werden wollten. Viele wählten ihr Schlafzimmer und ich merkte, dass das der Nexus des Projekts ist. Das eigene Zimmer war eine Metapher, eine "Erweiterung" des Mädchens - auch das Mädchen selbst schien ein Teil des Raumes zu sein.


Hiba, Shatila Palestinian Refugee Camp, Beirut 2010

Was ist die Botschaft dahinter?

Es gibt keine wirkliche Botschaft dahinter. Für mich war es entscheidend, die Mädchen allein in ihrem "Kokon", ohne den Zwängen der Außenwelt, zu porträtieren. Ich habe versucht, die reale Person in ihrem privaten Raum zu entdecken. Die Arbeit gab mir die Möglichkeit, einen einzigartigen Einblick in ihr Privatleben und ihr wahres Ich zu erhaschen. Die Schönheit und Stärke, die Sehnsüchte und Träume der Mädchen aus verschiedenen Welten zu erleben.
Wo haben Sie ihre Modelle gefunden?
Am Anfang fotografierte ich meine Töchter und ihre Freunde. Dann begann ich Mädchen auf der Straße, im Supermarkt oder sonst wo zu fragen. Ich erzählte ihnen von meinem Projekt und habe ihnen den Link zu meiner Website und zur Beschreibung des Projekts geschickt. Die meisten wollten dann direkt mitmachen, erzählten es ihren Freunden und so wurden es immer mehr. Ich genoss es neue Mädchen zu entdecken und baute mit ihnen eine Fotografen/Model-Beziehung auf - ohne jegliche Erwartung beiderseits. Das erlaubte es mir, junge Frauen aus verschiedensten sozialen Schichten und Welten zu treffen.


Devin, Winchester, MA 2009

Wie war die Reaktion? Gab es eine Kontroverse?
Das Projekt scheint bei erwachsenen Frauen Erinnerungen an ihre Jugend auszulösen. Das passierte auch mir auf eine seltsame Weise, weshalb ich mich auch entschieden habe, Mädchen aus dem Libanon mit einzubeziehen. Es scheint, dass sich die meisten Frauen mit den Fotos identifizieren können - entweder weil sie sich selbst wiedererkennen oder weil sie Töchter in diesem Alter haben. Ich hatte dieses Feedback nicht erwartet, aber es bestätigte mich in der Arbeit. Ich war auch sehr beeindruckt von den beiden Essays im Buch von Anne Tucker und Susan Minot, die ihre persönlichen Erfahrungen niederschrieben.
Männer hingegen scheinen etwas anderes darin zu suchen. Ich denke viele glauben, dass es nur voyeuristisch ist. Ich höre dann oft Bemerkungen wie: "Jungs haben nicht die gleiche Beziehung zu ihren Zimmern." Zum größten Teil fand ich, dass Männer von den Bildern, den Mädchen und ihren Räumen, fasziniert waren aber gleichzeitig gibt es da auch eine Mischung aus Unbehagen, Ehrfurcht und Neugier, wenn sie die Fotos betrachteten.


Lilly, Brookline, MA 2009

Wann haben Sie Ihre Karriere als Fotografin begonnen?
Was ist Ihre Geschichte?

Ich bin seit dem Jahr 2000 Fotografin. Vorher studierte ich Architektur und arbeitete auch in diesem Beruf. Während dem Studium habe ich viele Kunstkurse einschließlich Malerei, Zeichnen und Druck absolviert - aber nichts zu Fotografie. Ich stand zwar gern hinter der Kamera, aber nur privat. Ab dem Jahr 2000 nahm ich dann an vielen Workshops an der New England School of Photography teil und verliebte mich in das Medium. Ich liebte es, in der Dunkelkammer zu stehen und zu sehen, wie die Bilder zum Leben erwachten. Ich fotografierte ursprünglich meine Kinder und porträtierte sie. Ebenfalls Stillleben und Akte, während ich noch als Architektin arbeitete. 2002 war ich im Libanon und ging mit meinem Cousin in ein palästinensisches Flüchtlingslager. Es war ein Schock für mich zu sehen, wie die Menschen lebten und das so nahe an dem Ort, an dem ich aufgewachsen bin und ich trotzdem keine Ahnung davon hatte. Ich begann dann diese Menschen in den Lagern zu fotografieren und verliebte mich in die Fähigkeit, eine Geschichte mit Fotos zu erzählen, das Leben zu erfassen und die Schönheit dieser banalen Momente des Lebens dauerhaft in ein Bild "einzufrieren".
Es gab mir ein gutes Gefühl und ich arbeitete nie mehr als Architektin. Ich wusste, dass dies meine Ausbildung, die Liebe zur Kunst und Malerei, mein Sein als Frau und Mutter, das Aufwachsen während des Krieges im Libanon und mein jetziges Leben in den USA kombinierte und mich erst vervollständigte.


Danielle, Jamaica Plain, MA 2010

A Girl and her Room
Statement by Rania Matar

This project is about teenage girls and young women at a transitional time of their lives, alone in the privacy of their own personal space and surroundings: their bedroom, a womb within the outside world.
As a mother of a teenage daughter I watch her passage from girlhood into adulthood, fascinated with the transformation taking place, the adult personality shaping up and a self-consciousness now replacing the carefree world she had known and lived in so far. I started photographing her and her girlfriends, and quickly realized that they were very aware of each other's presence, and that their being in a group affected very much whom they were portraying to the world. From there, emerged the idea of photographing each girl alone in her personal space.


Alia, Beirut, Lebanon 2010

I spend time with each girl, so she is comfortable with me and eventually the photography session becomes a beautiful and intimate collaboration. I was discovering a person on the cusp on becoming an adult, but desperately holding on to the child she barely outgrew, a person on the edge between two worlds, trying to come to terms with this transitional time in her life and adjust to the person she is turning into. Posters of rock stars, political leaders or top models were displayed above a bed covered with stuffed animals; mirrors were an important part of the room, a reflection of the girls' image to the world; personal objects, photos, clothes everywhere, chaotic jumbles of pink and black make-up and just stuff, seemed to give a sense of security and warmth to the room like a womb within the outside world.


Rocio, Dorchester, MA 2010

I initially started this work focusing on teenage girls in the United States and eventually expanded the project to include girls from the two worlds I am most familiar with, the two worlds I experienced myself as a teen and a young twenty year old: the United States and the Middle East. This is how this project became very personal to me. I became fascinated with the similar issues girls at that age face, regardless of culture, religion and background, as they learn to deal with all the pressures that arise as they become consciously aware of the surrounding world wherever this may be.
Being with those young women in the privacy of their world gave me a unique peek into their private lives and their real selves. They sense that I am not judging them and become an active part of the project. I just follow their lead. I thank every one of them for their trust and precious collaboration.

More info about Rania Matar: www.raniamatar.com
A Girl and Her Room: girlroom.raniamatar.com

Wir danken Sybille Kastner und dem Lehmbruck Museum in Duisburg für die Unterstützung !

 
 

Rania Matar

A Girl and Her Room

22.03. - 21.04.2013

Eröffnung:
22.03.2013 20:00 h


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